Kein Dienstwagen, kein Pressetross, keine Inszenierung: Thomas Gebhart, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Jockgrim und jetzt Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, sitzt schon zwei Stunden vor dem offiziellen Pressetermin gestern Vormittag beim Landauer Apotheker Andreas Hott im überfüllten Hinterzimmerchen der Beethoven-Apotheke, um sich anzuhören, wo die Pharmazeuten der Schuh drückt. Hott, seit Mitte April Vorsitzender des Landesverbands der Apotheker und Parteifreund Gebharts, wippt ungeduldig auf seinem Sitzball vor dem Computer, so viel will er dem Thomas mitgeben. Zum Beispiel, dass der Tetanus-Impfstoff gegen den oft tödlich verlaufenden Wundstarrkrampf nicht verfügbar ist – „schon seit einem halben Jahr, und das bei Überschüssen in den Krankenkassen“. Fünf Hersteller habe es mal gegeben, heute sei es nur noch einer, und der könne nicht liefern, echauffiert sich Hott. Oder allenfalls einen Zehnerpack, den der Apotheker nicht brauchen kann, aber nehmen muss, um im Notfall einen Patienten mit ungenügendem Impfschutz versorgen zu können. Am Ende werde er wohl auf den Kosten sitzenbleiben, vermutet Hott.

Auch den Ärger mit dem nur wenig wirksamen Dreifach-Impfstoff gegen Grippe für Kassen- und dem Vierfach-Wirkstoff für Privatpatienten haben die beiden schon durchdekliniert. „Wir haben aus dieser Grippesaison gelernt und werden Konsequenzen ziehen, dass es nicht wieder zur Knappheit kommt“, sagt Gebhart, der sich „ein ungeschöntes Bild an der Basis holen“ und sich „in alle Themen reinfuchsen“ will.

Seine Schreibtischarbeit habe er sehr intensiv erledigt, jetzt gehe es ihm darum, von den Menschen im Gesundheitssystem zu lernen. Gebhart will sich die Sorgen der Hebammen anhören, Krankenhäuser besuchen, mit niedergelassenen und mit Klinikärzten sprechen, mit Mitarbeitern der ambulanten und der stationären Pflege, mit Patientenbeauftragten, Personalräten und Auszubildenden. „Enorme Herausforderungen“ werde es in der Pflege geben, weiß Gebhart, weil schon bald 200.000 bis 300.000 Pflegekräfte fehlen dürften. Auch der Dauerbrenner der Hausärzteversorgung auf dem Land treibt ihn um. Insgesamt gebe es in Deutschland aber ein sehr gutes medizinisches Versorgungssystem, beeilt sich der Staatssekretär zu sagen. Bei den Ausgaben sei sogar die Milliardengrenze überschritten – täglich.

Für problematisch hält Gebhart die Wettbewerbsverzerrung bei den Apotheken durch im Ausland ansässige Versandapotheken, die weder Nacht- noch Notdienste machen und schon gar keine Medikamente individuell zubereiten, wie er es am Morgen in Hotts Apotheke gesehen hat. „Dafür haben wir 40 Minuten gebraucht und bekommen 8,30 Euro“, sagt Hott. Ziel müsse ein europarechtskonformes Verbot des Versandhandels von verschreibungspflichtigen Medikamenten sein, wie es ihn in drei Viertel der Länder gebe, sagen beide. Und das nicht zum Schutz von Pfründen: In Deutschland gebe es nur 24 Apotheken pro 100.000 Einwohner, europaweit 31, sagt Hott und schlägt vor, dass überall dort, wo Ärzte fehlen, auch der Apotheker impfen könnte.

Ein Zukunftsthema sind für Gebhart die Digitalisierung und die elektronische Patientenakte mit Angaben zu Erkrankungen und Medikamentation sowie Unterlagen wie zum Beispiel Röntgenbildern. Zwei Dinge sind ihm besonders wichtig: „Sicherheit und dass der Patient Herr seiner Daten bleibt. Nur er kann freigeben, wer Zugang zu welchen Daten bekommt.“

Heute wird sich Gebhart in Germersheim über den ärztlichen Bereitschaftsdienst informieren, wo Ärztinnen zunehmend Angst haben, nachts allein auf Hausbesuch zu fahren (wir berichteten am 27. April). „Dafür habe ich großes Verständnis“, betont Gebhart. Politik

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